Wenn das Immunsystem überreagiert: Autoimmunerkrankungen brauchen differenzierte Diagnostik und sorgfältig abgestimmte, individuelle Therapie.
Die Immunologie in der Inneren Medizin beschäftigt sich mit Erkrankungen, bei denen das Immunsystem seine physiologische Selbst-Toleranz verliert und körpereigene Strukturen angreift. Autoimmun- und immunvermittelte Erkrankungen sind oft schwer einzuordnen: Sie können mehrere Organsysteme gleichzeitig betreffen, verlaufen häufig schubweise und verlangen sowohl eine differenzierte Diagnostik als auch eine sorgfältig abgestimmte, individuell dosierte Therapie über lange Zeiträume.
Am TZN Bergheim ist die immunologische Sprechstunde fester Bestandteil unserer internistischen Versorgung. Wir betreuen Hunde und Katzen mit klassischen Krankheitsbildern wie der immunvermittelten hämolytischen Anämie (IMHA), der immunvermittelten Thrombozytopenie (ITP) und der immunvermittelten Polyarthritis (IMPA) ebenso wie seltenere systemische Autoimmunerkrankungen. Für viele dieser Krankheitsbilder arbeiten wir eng mit den Fachgebieten Dermatologie, Nephrologie und Onkologie zusammen, weil sie oft mehrere Organsysteme gleichzeitig betreffen.
Wir kombinieren Blutbild, Differenzialblutbild und Retikulozytenzählung aus dem hauseigenen Labor mit dem direkten Coombs-Test, ANA-Titer und Spezialantikörpern zur Beurteilung autoimmuner Prozesse. Bei IMHA-Verdacht suchen wir gezielt nach Sphärozyten und Auto-Agglutination im Blutausstrich; bei ITP führen wir eine manuelle Thrombozytenzählung sowie den Ausschluss infektiöser Ursachen (Ehrlichia, Anaplasma, Leishmania) durch. Urinanalyse mit Sediment und UPC-Quotient dient der Beurteilung einer renalen Beteiligung.
Bei Polyarthritis-Verdacht erfolgt eine ultraschallgesteuerte Gelenkpunktion aus mehreren Gelenken mit anschließender Zytologie; bei Pemphigus-Verdacht eine Hautbiopsie mit histopathologischer und immunhistochemischer Auswertung durch unser externes Pathologie-Netzwerk. Für die bildgebende Verlaufsdiagnostik nutzen wir Ultraschall und digitales Röntgen; bei komplexen systemischen Fragestellungen – insbesondere Verdacht auf ZNS-Beteiligung oder tumoröse Trigger – ergänzen wir Computertomographie und MRT.
Immunsuppressive Therapieprotokolle bilden das Rückgrat der Autoimmunbehandlung. Erste Wahl ist meist eine Kortisontherapie mit Prednisolon in immunsuppressiver Dosis, häufig kombiniert mit einem zweiten Immunsuppressivum wie Ciclosporin, Azathioprin, Mycophenolat-Mofetil oder Leflunomid – um Kortikosteroid-Nebenwirkungen zu begrenzen und die Remission zu stabilisieren. Bei akuter, fulminanter IMHA setzen wir zusätzlich Bluttransfusionen und thromboprophylaktisch Clopidogrel oder niedermolekulares Heparin ein, weil das Thromboembolierisiko in dieser Phase deutlich erhöht ist.
Engmaschige Verlaufskontrollen – Blutbild, Retikulozyten, klinische Chemie, Urin, ggf. Cortisol-Werte und Ciclosporin-Spiegel – sind essenziell, um Therapieantwort und Nebenwirkungen zu steuern. Die schrittweise Reduktion der immunsuppressiven Therapie erfolgt nach klar definierten Recall-Intervallen und individuell am Krankheitsverlauf orientiert.
IMHA und ITP werden auch in der Hämatologie mitbetreut. Für autoimmune Hauterkrankungen verweisen wir zusätzlich auf die Dermatologie; immunvermittelte glomeruläre Erkrankungen ordnen sich in die Nephrologie ein. Bei tumorbedingten Autoimmunphänomenen arbeiten wir mit der Onkologie zusammen. Eine Übersicht aller internistischen Schwerpunkte finden Sie auf der Innere-Medizin-Hauptseite.
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