Kreuzbandriss beim Hund ist die häufigste orthopädische Verletzung. Wir versorgen ihn standardmäßig mit der TPLO (Tibial Plateau Leveling Osteotomy) – dem heute etablierten Verfahren mit den niedrigsten Komplikationsraten, dem besten Langzeitergebnis und schneller Rückkehr zur normalen Aktivität.
Der Kreuzbandriss (kranielle Kreuzbandruptur, engl. cranial cruciate ligament rupture, CCLR) ist die mit Abstand häufigste orthopädische Erkrankung des Hundes im Bereich des Knies. Anders als beim Menschen entsteht sie beim Hund nur in Ausnahmefällen durch ein akutes Trauma – in der Mehrzahl der Fälle handelt es sich um einen schleichenden degenerativen Prozess, der das vordere Kreuzband über Wochen bis Monate schwächt, bis es bei einer Alltagsbelastung schließlich reißt.
Betroffene Hunde zeigen typischerweise eine plötzliche oder langsam zunehmende Lahmheit der Hintergliedmaße, entlasten das Bein oder setzen die Zehen nur kurz auf. Bei genauem Hinsehen fallen häufig eine Schwellung am Knie (Ergussbildung) und eine Verschmälerung der Oberschenkelmuskulatur (Atrophie) auf. In etwa 50 % der Fälle reißt innerhalb von 12–24 Monaten auch das Kreuzband der Gegenseite – ein Grund, warum wir bereits bei der Erstversorgung stets an das Gesamttier denken und die Halterinnen und Halter darauf vorbereiten.
Die Diagnose beginnt mit einer gründlichen orthopädischen Untersuchung. Klassische Tests sind der Schubladentest (Prüfung der cranio-kaudalen Instabilität der Tibia gegenüber dem Oberschenkelknochen) und der Tibiakompressionstest. Bei ausgeprägter Muskelspannung führen wir diese Tests bei Bedarf in kurzer Sedierung durch, um eine belastbare Aussage zu erhalten.
Anschließend folgt die bildgebende Abklärung: digitales Röntgen des Knies in zwei Ebenen zeigt indirekte Zeichen wie einen Kniegelenkserguss, arthrotische Veränderungen (Osteophyten) und – für die TPLO essenziell – eine präzise Vermessung des Tibiaplateauwinkels. Bei komplexen Fällen, unklarem Meniskus-Status oder Verdacht auf begleitende Verletzungen ergänzen wir bei Bedarf Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) – beides ist bei uns am TZN Bergheim vor Ort verfügbar, sodass keine Überweisung an ein anderes Zentrum nötig ist.
Vor der Operation prüfen wir außerdem den Allgemeinzustand: Blutbild, klinische Chemie und Gerinnungsdiagnostik aus unserem hauseigenen Labor, dazu bei älteren Hunden eine anästhesiologische Risikoeinschätzung durch unser Anästhesie-Team.
Es gibt mehrere OP-Verfahren zur Versorgung des Kreuzbandrisses beim Hund. Wir stellen sie ehrlich vor – und erklären, warum wir uns am TZN Bergheim für die TPLO als Standard entschieden haben.
Eine rein konservative Behandlung (Ruhe, Physiotherapie, Schmerzmedikation) ist nur bei sehr kleinen Hunden bis ca. 10 kg eine realistische Option – und auch dann meist mit einer bleibenden Instabilität und rascher Arthrose-Progression verbunden.
Der bislang umfangreichste systematische Review zum Vergleich von TPLO und TTA stammt von Beer et al. (2018) und wertete 91 Studien aus (Tierärztliche Praxis Ausgabe K, Kleintiere/Heimtiere). Die Ergebnisse sprechen deutlich für die TPLO:
Die Autoren fassen zusammen: „TPLO is associated with lower complication rates, an improved clinical-functional outcome and less increase of OA compared to TTA.“ Sie weisen zugleich auf die begrenzte Studienqualität hin und fordern methodisch stärkere Vergleichsstudien.
Ein aktuellerer Knowledge Summary von Grech (2026, Veterinary Evidence) hat drei kontrollierte Studien analysiert und kommt bezüglich der reinen röntgenologischen Arthrose-Progression zu einem differenzierteren Bild: hier gibt es aktuell keinen klaren Vorteil des einen Verfahrens vor dem anderen. Das ändert allerdings nichts am Gesamtbild – die niedrigeren Komplikationsraten der TPLO bleiben ein starkes Argument.
Eine Elastographie-Studie von Del Signore et al. (2024, Animals) zeigt darüber hinaus, dass sich die Patellarsehne nach beiden Eingriffen verändert (Verhärtung, Verdickung) – ein Grund, warum eine strukturierte Nachsorge bei jeder Kreuzband-OP wichtig ist.
Für die Entscheidung, jede regelhafte Kreuzband-OP am TZN Bergheim standardmäßig als TPLO durchzuführen, sprechen aus unserer Sicht mehrere Argumente:
Was wir bewusst NICHT tun: Wir vermeiden es, jedem Hund unabhängig von Größe und Anatomie dieselbe OP anzubieten. Bei sehr kleinen Hunden erwägen wir alternativ die laterale Fadenzügelung, bei besonderen anatomischen Konstellationen (z. B. sehr steiles Plateau) prüfen wir zusammen mit den Halterinnen und Haltern die CBLO als Alternative.
Vorbereitung: Nach der Diagnose vereinbaren wir einen OP-Termin – üblicherweise innerhalb weniger Werktage. Am OP-Tag kommt der Hund nüchtern zu uns, wird noch einmal klinisch untersucht und bekommt eine ausführliche anästhesiologische und schmerztherapeutische Vorbereitung.
Der Eingriff: Die TPLO dauert in geübten Händen etwa 60–90 Minuten. Das Knie wird zunächst arthroskopisch oder über einen kleinen Mini-Arthrotomie-Zugang inspiziert – wir beurteilen die Kreuzbandreste und behandeln einen eventuellen Meniskusschaden im selben Eingriff. Anschließend erfolgt die Osteotomie des Tibiakopfes mit einer speziellen Sägeblatt-Führung, die Rotation des Tibiaplateaus in den vorher berechneten Zielwinkel und die stabile Fixation mit einer anatomisch vorgeformten TPLO-Platte mit 5–7 verriegelbaren Schrauben.
Postoperativ führen wir die TPLO in aller Regel ambulant durch: Nach einer ausreichenden Aufwachphase und einer sorgfältigen Kreislauf- und Schmerzkontrolle kann der Hund noch am selben Tag wieder nach Hause. Sie bekommen einen schriftlichen Nachsorgeplan, individuell angepasste Schmerz- und Entzündungshemmer sowie ein klares Bewegungsprotokoll mit.
Für kompliziertere Fälle – besonders starke postoperative Schmerzen, ausgeprägte Begleiterkrankungen, aufwändige Meniskus-Versorgungen oder Patienten, bei denen wir Kreislauf und Schmerz engmaschig steuern möchten – steht unsere Station mit 24/7-Betreuung unter der Woche und zwei ICU-Boxen (Intensivet und Eickemeyer, kontrollierte Sauerstoffgabe) zur Verfügung. Diese Option nutzen wir gezielt und individuell dort, wo sie einen echten Sicherheitsgewinn bringt – nicht standardmäßig.
Der Eingriff selbst ist standardisiert – der Unterschied liegt im Setting drumherum:
Der Erfolg einer TPLO steht und fällt mit der strukturierten Nachsorge. Unser Protokoll:
Wir empfehlen für die Nachsorge häufig eine begleitende Physiotherapie. Vor allem der frühzeitige Aufbau der Oberschenkelmuskulatur reduziert das Risiko einer erneuten Verletzung und stabilisiert das Kniegelenk zusätzlich.
Weil rund die Hälfte aller Hunde innerhalb von 12–24 Monaten auch am anderen Bein einen Kreuzbandriss entwickelt, planen wir bei der Nachsorge auch das kontralaterale Knie mit ein: klinische Untersuchung und ggf. Röntgen zur Früherkennung.
Typisch ist eine plötzliche oder schleichende Lahmheit einer Hintergliedmaße, häufig nach normaler Belastung (Toben, Aufspringen, Treppe). Der Hund entlastet das Bein, setzt es beim Stehen kaum auf und wirkt am Knie berührungsempfindlich. Häufig zusätzlich: Schwellung am Knie und schnelle Muskel-Atrophie.
Bei Hunden über 10–15 kg ist die OP das klar überlegene Vorgehen – die konservative Therapie führt sonst zu bleibender Instabilität und schneller Arthrose. Sehr kleine Hunde kommen manchmal mit einer engmaschig geführten konservativen Therapie zurecht.
Weil die aktuelle Studienlage – vor allem der systematische Review von Beer et al. 2018 – der TPLO deutlich niedrigere Komplikationsraten (5,2 % vs. 13,2 % schwerwiegende Komplikationen) und ein besseres funktionelles Ergebnis zuschreibt. Bei sehr kleinen Hunden ist die laterale Fadenzügelung weiterhin eine sinnvolle Alternative.
Die meisten Hunde belasten das operierte Bein schon nach wenigen Tagen wieder vorsichtig. Bis zur vollen Belastbarkeit vergehen in der Regel 12–16 Wochen. Sporthunde brauchen etwa 6 Monate bis zur voll wettkampffähigen Belastung.
Die Kosten hängen von Körpergewicht, Aufwand der Bildgebung, Anästhesiedauer und stationärer Betreuung ab. Wir erstellen im Rahmen des Vorstellungstermins eine schriftliche, transparente Kostenschätzung – da sich medizinische Verläufe nie exakt vorhersagen lassen, bleibt es eine Schätzung mit üblicher Bandbreite und keine feste Zusage. Viele Tierkrankenversicherungen übernehmen die Kreuzband-OP – sprechen Sie uns gerne auf die Abrechnung an.
Bei rund 50 % der Hunde passiert das innerhalb von 12–24 Monaten. Wir behandeln das zweite Bein dann in aller Regel wieder mit einer TPLO – oft mit noch besserer Erholung, weil die Halterinnen und Halter den Nachsorge-Ablauf schon kennen und der Muskelaufbau am ersten Bein bereits läuft.
Wenn Sie den Verdacht auf einen Kreuzbandriss haben oder von einer anderen Praxis zur TPLO überwiesen wurden: Melden Sie sich gerne über unsere Online-Termin-Buchung oder telefonisch. Wir vereinbaren zunächst einen Vorstellungstermin mit orthopädischer Untersuchung, Bildgebung und einer ausführlichen Besprechung der Optionen mit Ihnen.
Für überweisende Kolleginnen und Kollegen: Wir stellen Ihnen nach jeder Behandlung einen ausführlichen Bericht mit OP-Protokoll und Nachsorgeempfehlungen zur Verfügung. Kontaktaufnahme direkt über empfang@tzn-bergheim.de oder telefonisch unter +49 2271 588 52 69.
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