Die Leber im Blick: Hepatitis, hepatische Lipidose, Shunt – strukturierte Diagnostik und Therapie auf internistischem Spezialniveau.
Die Hepatologie – die Lehre von der Leber und ihren Erkrankungen – gehört zu den anspruchsvollsten Bereichen der Inneren Medizin. Die Leber ist ein zentrales Stoffwechselorgan mit enormer Reservekapazität: Schäden bleiben oft lange klinisch stumm und werden erst sichtbar, wenn deutlich erhöhte Leberwerte, Ikterus, Aszites oder unspezifische Symptome wie Apathie, Erbrechen und Gewichtsverlust auftreten. Eine strukturierte hepatologische Abklärung ist dann in aller Regel dringend.
Am TZN Bergheim ist die hepatologische Sprechstunde fester Bestandteil unserer internistischen Versorgung. Wir kombinieren strukturierte Labordiagnostik mit hochauflösender Bildgebung und interventionellen Verfahren wie ultraschallgesteuerter Feinnadelaspiration oder Leberbiopsie. Für die medikamentöse und ernährungstherapeutische Betreuung chronischer Lebererkrankungen bei Hund und Katze bieten wir enge Verlaufsintervalle – und für die operative Versorgung portosystemischer Shunts die direkte Zusammenarbeit mit unserer Chirurgie unter einem Dach.
Wir nutzen ein vollständiges Leberprofil – ALT, AST, AP, GGT, Bilirubin, Albumin, Cholesterin und Gallensäuren – aus unserem hauseigenen Labor. Der Gallensäuren-Stimulationstest (Vor- und Nach-Fütterungswert) sowie die Ammoniak-Bestimmung sind Standard bei Shunt-Verdacht und hepatischer Enzephalopathie. Vor Punktionen und Biopsien führen wir eine vollständige Gerinnungsdiagnostik (aPTT, PT, Fibrinogen, ggf. Buccal Mucosal Bleeding Time) durch, um Blutungsrisiken vorher zu erkennen und zu minimieren.
Bildgebend bewertet ein hochauflösender Ultraschall Parenchymstruktur, Gallenblase, Gallenwege und portale Gefäßstrukturen. Bei komplexen Fällen erweitern wir die Abklärung mit Computertomographie und CT-Angiographie – insbesondere zur Diagnostik portosystemischer Shunts, Tumormetastasen und komplexer vaskulärer Anomalien. Feinnadelaspiration und Zytologie werten wir in eigener Mikroskopie aus, ergänzt durch KI-gestützte Schnellbefundung via Zoetis Vetscan Imagyst. Bei Bedarf führen wir eine ultraschallgesteuerte Tru-Cut- oder Menghini-Leberbiopsie nach Gerinnungskontrolle durch.
Lebererkrankungen werden ursachenorientiert behandelt. Für chronische Hepatitis stehen immunsuppressive Protokolle mit Prednisolon und ggf. Azathioprin oder Mycophenolat-Mofetil zur Verfügung; ergänzt durch Hepatoprotektiva wie SAMe, Silymarin, Ursodesoxycholsäure und Vitamin E. Für kupferspeicherbedingte Erkrankungen setzen wir Chelatbildner (D-Penicillamin) in Kombination mit einer kupferreduzierten Diät ein.
Bei der hepatischen Lipidose der Katze ist die frühzeitige enterale Ernährung über eine Ösophagus- oder Magensonde häufig lebensrettend – ergänzt durch Antiemetika, Elektrolyt-Korrektur und L-Carnitin-Substitution. Portosystemische Shunts werden nach interner Abklärung interventionell oder operativ in enger Zusammenarbeit mit unserer Chirurgie versorgt. Der Therapieverlauf wird durch engmaschige Blutbild-, Leberprofil- und Gallensäuren-Kontrollen abgesichert.
Bei begleitender Pankreatitis kommt die Gastroenterologie hinzu. Bei tumorbedingten Lebererkrankungen arbeiten wir mit der Onkologie zusammen; für die operative Versorgung eines portosystemischen Shunts oder tumoröser Läsionen mit der Chirurgie. Immunvermittelte Hepatitiden ordnen sich zusätzlich in die Immunologie ein. Eine Übersicht aller internistischen Schwerpunkte finden Sie auf der Innere-Medizin-Hauptseite.
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