Blut und blutbildende Organe: Anämien, IMHA, ITP, Gerinnungsstörungen – strukturierte hämatologische Diagnostik und Therapie.
Die Hämatologie – die Lehre vom Blut und den blutbildenden Organen – ist eines der klassischen Kernfelder der Inneren Medizin. Erkrankungen des Blutes bleiben oft lange klinisch unauffällig, weil Knochenmark und Milz erhebliche Reservekapazitäten haben. Wenn diese Reserven erschöpft sind, äußern sich hämatologische Erkrankungen mit Apathie, Belastungsintoleranz, blassen Schleimhäuten, Ikterus oder unerklärlichen Blutungen – oft dramatisch und akut behandlungsbedürftig.
Am TZN Bergheim ist die hämatologische Diagnostik fester Bestandteil unserer internistischen Versorgung. Unsere Spezialistinnen und Spezialisten arbeiten eng mit der Onkologie zusammen, weil sich viele hämatologische Krankheitsbilder – von der aplastischen Anämie bis zum Lymphom – im Grenzbereich beider Fachgebiete abspielen. Für immunvermittelte hämolytische Anämien (IMHA) und immunvermittelte Thrombozytopenien (ITP) bieten wir strukturierte Diagnostik- und Therapieprotokolle nach aktuellen Leitlinien der Kleintier-Internistik.
Für die hämatologische Basisdiagnostik nutzen wir das IDEXX ProCyte Dx – ein modernes 5-Populationen-Blutbild inklusive Retikulozyten – ergänzt durch das manuelle Differenzialblutbild auf Basis eigener mikroskopischer Ausstriche. Für die klinische Chemie greifen wir auf das IDEXX Catalyst Dx und das Thermo Fisher Indiko aus unserem hauseigenen Labor zurück. Bei unklaren Anämien führen wir Coombs-Testung, Blutgruppen-Bestimmung, Ausschluss vektorübertragener Infektionen und – wenn indiziert – eine Knochenmarkspunktion mit zytologischer und ggf. histologischer Beurteilung durch.
Für die Gerinnungsdiagnostik stehen aPTT, PT, Fibrinogen und D-Dimere inhouse zur Verfügung; komplexe Fragestellungen (Thromboelastographie, spezifische Faktoranalytik) betreuen wir in Kooperation mit spezialisierten Laboren. Bildgebend beurteilen wir Milz und blutbildende Organe mit hochauflösendem Ultraschall; Computertomographie setzen wir ein, wenn Thromboembolien, tumoröse Prozesse oder Blutungsquellen mit hämatologischer Beteiligung abgeklärt werden müssen.
Die hämatologische Therapie reicht von Bluttransfusionen und Erythrozytenkonzentraten bei akutem Blutverlust über immunsuppressive Protokolle bei IMHA und ITP (Prednisolon, Ciclosporin, Mycophenolat-Mofetil, Azathioprin) bis zur ursachenorientierten Behandlung nicht-regenerativer Anämien. Bei fulminanter IMHA ergänzen wir thromboprophylaktisch Clopidogrel oder niedermolekulares Heparin, weil das Thromboembolierisiko in dieser Phase deutlich erhöht ist. Bei Katzen mit chronischer Nierenerkrankung nutzen wir Erythropoetin-Analoga in Kombination mit Eisen- und Vitamin-B-Substitution.
Engmaschige Kontrollen von Blutbild, Retikulozyten und – bei Autoimmunerkrankungen – der Coombs-Reaktion sichern den Therapieverlauf. Die schrittweise Reduktion der immunsuppressiven Medikation erfolgt nach klar definierten Recall-Intervallen und individuell am Krankheitsverlauf orientiert.
Renale Anämien werden gemeinsam mit unserer Nephrologie betreut; vektorübertragene Erreger, die zu Zytopenien führen können, gehören zur Infektiologie. Immunvermittelte Krankheitsbilder finden sich auch in unserer Immunologie, tumoröse hämatologische Erkrankungen (Lymphom, Leukämien) in der Onkologie. Eine Übersicht aller internistischen Schwerpunkte finden Sie auf der Innere-Medizin-Hauptseite.
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