Tierarzt ja oder nein – Studie zu Hundehalterinnen und Hundehalter und Tierarztbesuchen, TZN Bergheim

Eine internationale Studie aus dem Januar 2026 hat 1.772 Hundehalterinnen und Hundehalter befragt, wie gut sie Erkrankungen bei ihrem Hund einschätzen können – und ob sie wissen, wie dringend tierärztliche Hilfe nötig ist. Die Ergebnisse sind ehrlich gesagt überraschend. Und sie betreffen jeden, der einen Hund liebt.

Was wurde untersucht?

Forscherinnen und Forscher des renommierten Royal Veterinary College in London stellten 1.772 Hundehalterinnen und Hundehalter je drei realistische Fallbeispiele aus dem Praxisalltag vor – insgesamt 30 verschiedene Erkrankungen, von Flohbefall bis Magen-Darm-Fremdkörper. Die Frage an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer:

Anschließend wurden die Antworten mit der Einschätzung von 14 erfahrenen Tierärztinnen und Tierärzte verglichen. Das Ergebnis zeigt, wie gut wir Halterinnen und Halter unsere Vierbeiner wirklich „lesen“ können – und wo wir uns regelmäßig verschätzen.

Was Halterinnen und Halter gut erkennen

Die gute Nachricht zuerst: Bei vielen häufigen Erkrankungen lagen die Halterinnen und Halter erstaunlich oft richtig. Besonders gut wurden erkannt:

Was diese Erkrankungen gemeinsam haben? Sie zeigen klare, sichtbare Symptome. Wer einen Hund kennt, erkennt einen Floh, einen Anfall oder das typische Husten meist sofort.

Wo wir uns regelmäßig verschätzen

Schwieriger wird es bei Erkrankungen, deren Anzeichen unscheinbarer oder unspezifischer sind. Hier kam es zu deutlichen Fehleinschätzungen – sowohl beim Erkennen als auch bei der Dringlichkeit. Die am schwersten zu erkennenden Erkrankungen waren:

Das eigentlich Beunruhigende: Die Dringlichkeit

Hier liegt der wichtigste Befund der Studie: In über einem Viertel aller Fälle (28,4 %) unterschätzten Hundehalterinnen und Hundehalter die Dringlichkeit deutlich – sie hätten zu lange gewartet, bevor sie zum Tierarzt gegangen wären.

Besonders dramatisch:

Otitis externa (Ohrenentzündung)

56,5 % der Halterinnen und Halter dachten, das könne ein paar Tage warten. Tatsächlich ist eine Ohrenentzündung schmerzhaft und kann sich rasant verschlechtern. Eine schnelle Diagnostik mit Video-Otoskopie zeigt, ob das Trommelfell betroffen ist oder eine Mittelohrentzündung droht. Mehr dazu auf unserer HNO-Sprechstunde.

Hitzschlag

Auch hier wurde die Dringlichkeit massiv unterschätzt – obwohl ein Hitzschlag innerhalb weniger Stunden tödlich enden kann. Trotz aller Kampagnen wie „Hunde sterben im heißen Auto“ ist vielen Halterinnen und Halter nicht bewusst, dass auch ein Spaziergang bei 28 Grad zum Notfall werden kann.

Herzinsuffizienz

Auch Anzeichen wie Husten, schnelle Erschöpfung und Atemnot wurden oft als „der Hund wird halt älter“ eingeordnet. Dabei kann hier eine frühe kardiologische Diagnostik Jahre an Lebensqualität gewinnen.

Warum wir uns verschätzen – auch wenn wir den Hund kennen

Die Studie nennt drei wichtige Gründe:

1. „Das ist halt rassetypisch“

Besonders bei kurznasigen Rassen (Mops, Französische Bulldogge, Boston Terrier u. a.) wird vieles als „normal für die Rasse“ akzeptiert – obwohl es das medizinisch nicht ist. Schnarchen, Pfeifen beim Atmen, schnelle Erschöpfung: All das sind Warnsignale, keine Charaktereigenschaften. Mehr zur BOAS-Diagnostik und HNO-Chirurgie.

2. „Das geht beim Älterwerden eben“

Steifigkeit, ungerne aufstehen, weniger Spielfreude – schnell ist man bei „naja, er wird halt alt“. Dabei sind das oft die ersten Zeichen einer Arthrose, die heute hervorragend behandelbar ist.

3. „Wir gucken erstmal im Internet“

Laut Studie nutzen 78,6 % aller Halterinnen und Halter das Internet als erste Informationsquelle bei Gesundheitsfragen. Das ist verständlich – aber riskant: Suchergebnisse helfen zwar oft beim Einordnen der Erkrankung, beeinflussen aber nicht die richtige Einschätzung der Dringlichkeit. Mit anderen Worten: Auch wenn Sie nach dem Googeln glauben, zu wissen, was los ist – Sie wissen damit noch nicht, wie schnell Sie handeln müssen.

Online-Gruppen: Hilfreich oder gefährlich?

Hier wurde es spannend: Die Studie unterscheidet zwischen zwei Arten von Online-Gruppen:

Die Quelle der Information macht einen riesigen Unterschied.

Was bedeutet das für Sie als Hundehalterin oder Hundehalter?

Wir möchten Ihnen mit diesem Beitrag kein schlechtes Gewissen machen, wenn Sie schon mal beim Tierarzt-Besuch gezögert haben. Das machen wir alle. Aber wir möchten Ihnen einige hilfreiche Orientierungspunkte mitgeben.

Faustregel: Lieber einmal zu früh als einmal zu spät

Eine tierärztliche Konsultation ist immer auch eine Form von Beruhigung. Wenn sich herausstellt, dass alles in Ordnung ist – wunderbar. Wenn nicht – Sie haben frühzeitig gehandelt. Sie brauchen auch keine Überweisung von einem Haustierarzt, um zu uns zu kommen – Sie können sich jederzeit direkt bei uns vorstellen.

Diese Symptome gehören IMMER zeitnah abgeklärt:

Diese Symptome sollten NICHT „erstmal abwarten“ heißen:

So unterstützen wir Sie im Tierärztezentrum Neuland

Wir wissen: Die Entscheidung, mit dem Hund zum Tierarzt zu fahren, ist nicht immer einfach. Deshalb möchten wir Ihnen den Weg zur richtigen Einschätzung erleichtern:

👉 Im Zweifel: Lieber anrufen. Unser Empfangsteam kann oft schon am Telefon eine erste Einschätzung geben – auch ohne Überweisung Ihres Haustierarztes.

Unser Fazit

Die Studie zeigt etwas, das wir aus dem Praxisalltag bestätigen können: Hundehalterinnen und Hundehalter sind oft besser, als sie selbst glauben – wenn es darum geht, ihren Hund zu kennen und Veränderungen wahrzunehmen. Schwieriger wird es bei der Frage: „Wie schnell muss ich handeln?“

Hier möchten wir Sie als Ihr Tierärztezentrum unterstützen. Nicht mit erhobenem Zeigefinger – sondern mit Erreichbarkeit, Aufklärung und einem geschulten Team, das Sie ernst nimmt, auch wenn Sie sich „eigentlich nur sicher sein wollen, dass nichts ist“. Denn am Ende geht es um eines: die bestmögliche Versorgung für Ihren Hund.

📞 Sie sind unsicher?

Quelle

Farrow M, O’Neill DG, Packer RMA (2026). To see or not to see the vet: A vignette-based study of decision-making by UK dog owners regarding seeking veterinary care for commonly presenting conditions. PLoS One 21(1): e0339723. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0339723
Veröffentlicht: 16. Januar 2026 | Royal Veterinary College, London